Narbenschau

Da sitzen wir also beim Abendessen, eine Freundin des Kindes (ebenfalls 9 J.) ist da, und essen nichts ahnend unser (übrigens ganz fantastisches) Gulasch. Plötzlich fangen die beiden Mädels an, ihre „Wunden“ des Tages zu vergleichen, steigern sich dann zu denen der Woche und zu denen „die überhaupt“ die allerschlimmsten sind.

Es wird gezeigt und sich an einigen Körperstellen freigemacht zum besseren Guckenkönnen und kleine wilde Geschichten werden erzählt.

Später ist mir dann aufgefallen, dass sich die „Wichtigkeit“ meiner Narben nicht an ihrer Größe festmachen lässt. Ich habe winzig kleine Narben, lange Narben, runde Narben, gezackte Narben, feine Narben und dicke Narben…
Bei vielen habe ich schon längst vergessen, woher und weshalb ich sie hab. Manche trage ich mit Stolz oder Erfurcht, und manche verstecke ich, so dass sie „nur im Geheimen“ da sind.

Das es eben diese Narben zu sein scheinen, diejenigen ohne Geschichte, die als Erstes verblassen, egal wie groß und tief (oder auch nicht) sie waren, kommt mir merkwürdig genug vor, um hier ein wenig über sie laut nachzudenken.
Ich meine, dass mit dem Verblassen ist an und für sich eine richtig gute `Erfindung´, denn würde man alle Narben, die ich jemals hatte noch an mir sehen, man sähe an manchen Stellen des Körpers kaum noch etwas anderes – bin nicht so die Unfallvermeidungsversierteste 😉

Und die Narben, deren Ursache in einer Seifenoper die meisten Dramapunkte oder Fanmail bekämen, die bleiben auch am längsten … vielleicht sogar für immer, wer weiß das schon …

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